Wege aus der Sucht

Zurück zur Seite 'Hilfe ist möglich'...

 

Bild 

Wann die Falle zugeschnappt ist,
kann ich heute nicht mehr sagen......

 

 

Eine 50jährige aus Rhauderfehn schildert ihren Weg in die Abhängigkeit und wie sie trocken wurde:

Ich geriet in die Falle ,Alkohol` und wurde doch noch gerettet. So beginnt der Bericht einer 50jährigen aus Rhauderfehn, die seit Jahren suchtkrank ist. Mit Gottes Hilfe fand sie einen Weg aus der Sucht. Sie besucht die Gruppe des Blauen Kreuzes in Ihrhove.

"Viel zu jung habe ich geheiratet. Ohne Geld, keine Erfahrung und noch nicht mal die Berufsausbildung abgeschlossen - so kam ich in eine Großfamilie. Der Vater war kurz vorher gestorben, die Mutter noch in Trauer und sehr wortkarg.

Mein Mann als ältester Sohn fühlte sich seiner Mutter verpflichtet, half ihr, wo er konnte und verbrachte viel Zeit mit ihr, zumal er den elterlichen Betrieb übernehmen sollte.

Ich war allein, wurde von der Familie nicht akzeptiert und war viel zu schüchtern, um mich zu wehren. Als ich bald ein Kind hatte, saß ich oft da, wiegte mein Kind im Arm und weinte. Ich hatte mir mein Leben so ganz anders vorgestellt.

Als ich das erste Mal auf einer Feier einige Gläser Alkohol getrunken hatte, genoß ich das wohlig warme Gefühl im Körper- meine Unzufriedenheit war nicht mehr so nah, und Vorwürfe schmerzten nicht mehr so sehr.

Bei immer neuen Problemen, die auftraten, glaubte ich, das alles nicht mehr ertragen zu können und griff immer öfter zur Flasche. Nun konnte ich wenigstens schlafen, und die Sorgen drückten nicht mehr so arg.

Wann die Falle zugeschnappt ist - ich vom Alkohol abhängig wurde - kann ich heute nicht sagen, da ja bekanntlich der Übergang schleichend und oft unbemerkt verläuft.

Ich nahm mir vor, nicht mehr zu trinken. Aber irgendwann, wenn ich mir wieder besonders überflüssig vorkam, gekränkt war oder die Sorgen überhand nahmen, griff ich doch wieder zur Flasche.

Hinzu kamen jetzt noch mehr und neue Probleme durch meine Trinkphasen. Ich wurde von der Familie beschimpft, angefleht und aufgefordert, künftig nicht mehr zu trinken.

Ich schämte mich entsetzlich, daß meine Sucht bekannt geworden war und trank aus diesem Grund noch mehr.

Jahre später war ich dann soweit gekommen, daß mich Menschen auf meinen Umgang mit Alkohol ansprachen, mir Hilfe anboten und mich bedauerten. Das tat mir nur noch mehr weh. Ich litt entsetzliche Qualen.

Leben heißt sich entscheiden...                       Bild 

Irgendwann, als ich nicht mehr in den Spiegel schauen konnte und mich vor mir selbst ekelte, traf ich einen Menschen, durch den ich zum Blauen Kreuz geführt wurde. Ich traf hier mit Menschen zusammen, die alles Schreckliche - ähnlich wie ich selbst - erlebt hatten. Einige waren ein paar Monate, andere schon ein paar Jahre trocken.

Ich begann wieder Hoffnung zu schöpfen und zu beten.

Nach einer längeren Therapie gelang es mir, langsam zu begreifen, daß sich über Jahre Verhaltensfehler unbemerkt eingeschlichen hatten. Bei Enttäuschungen oder Streitgesprächen habe ich mich immer zurückgezogen und alles mit mir alleine abgemacht - es wurde nichts verarbeitet. Ich habe erkannt, daß es besser ist, seine Gedanken und Meinungen sofort zu äußern und zu besprechen.

Die Gruppe des Blauen Kreuzes gibt mir immer wieder neuen Antrieb, mich an all diese Erkenntnisse zu erinnern. Ich versuche, immer wieder neu danach zu handeln. Ich erfahre auch in der Gruppe vom Leid oder Rückschlägen der Betroffenen und höre, wie diese am besten damit zurechtgekommen sind. So kann ich meinen Nutzen daraus ziehen und erkennen, wo bei mir oder anderen gesünder, freier und glücklicher gelebt werden kann.

Sucht ist eine Krankheit, die in jeder Familie auftreten kann. Jeden kann es treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Ausbildung oder Beruf. Suchtgefährdung entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Sie hat komplexe Ursachengeflechte wie zum Beispiel Schwierigkeiten in der Familie oder Partnerschaft, Schule oder Beruf, wenig emotionale Zuwendung, übersteigerte Leistungserwartung oder schlechte Zukunftsperspektiven: Alkohol gaukelt einen Ausweg vor. Er erzeugt angenehme Empfindungen und dämpft schlechte Gefühle.

Eine trügerische Sache. Ich wünsche mir, daß ich nie mehr darauf hereinfalle." (mh)

 

Zurück zur Seite 'Hilfe ist möglich'...

k