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5o Jahre Blaukreuzarbeit in Ihrhove

 

Wie alles begann....

 

HS: Begonnen hat die Arbeit hier schon um die Jahrhundertwende. Als  das Gemeindehaus in Ihrhove im Jahre 1911 eingeweiht worden ist, wurde bereits der Blaukreuzverein erwähnt.

Red: Dann muß der Verein damals schon im Gemeindehaus, im jetzigen EC Heim zu Hause gewesen sein- oder?

HS: Ja, in der Kirchenchronik von Pastor Kramer aus dem Jahre 1923 wurde erwähnt, daß eine Evangelisation mit dem Blaukreuzsekr. Over aus Weimar stattgefunden haben soll. Irgendwann ist die Arbeit dann eingeschlafen.

Red: Gab es in den Jahren denn gar keine Alkoholnot mehr? Das waren doch die Jahre des sogenannten dritten Reiches? Gesoffen wurde doch immer oder?

HS: Und wie! Unkontrolliert und doch kontrolliert von den damaligen Machthabern. um die, die in das System nicht hinein passten, kümmerte sich eh keiner mehr  Es gab ja die Arbeitslager und  .. naja.

Red: Nach dem Krieg gab es viel Elendsalkoholismus oder wie nannte man das? Gab es keine Hilfe in der Kirche oder bei Verbänden?

HS: Kaum, denn es gab damals nur die Blaukreuzarbeit, die diese diakonische Aufgaben übernahm. Hier in Ihrhove wußte keiner mehr von einer solchen Arbeit, bis Hinni Groenewold 1953 beim zuständigen Pastor Züchner um Hilfe bat. Zusammen mit meinem Vater, Johannes Schaa und Karl Lüpkes und Dr. Rudolf Smidt  wurde der Verein neu ins Leben gerufen.

Red: Wo fanden denn damals die Gruppenstunden statt?

HS: Gruppenstunden gab es im heutigen Sinn noch nicht, aber die Blaukreuz-Verkündigungsstunden fanden hin und her in den Häusern statt, wie man damals sagte. Evangelisationen wurden durchgeführt. Junge Leute, wie z.B mein Bruder Johannes, brachten sich voll ein.  

Red: Hat das denn was gebracht? Bibelstunden allein?

HS: Doch, es gab so etwas wie ein Neuaufbruch, als viele Trinker  ihre Flaschen wegwarfen und den Glauben an Jesus Christus annahmen durch ihre Bekehrung.

Red: Dadurch änderte sich natürlich auch ihr soziales Umfeld, denn sie wurden in die Kirchengemeinden integriert. Wie ging das denn weiter, als der Wohlstand kam, und die Menschen immer weniger von der Verkündigung des Evangelium ansprechen ließen?

HS: Gott hat immer Möglichkeiten und Wege, um Menschen zu helfen. Sein Arm ist nicht zu kurz. Heute arbeiten wir  anders, aber- und das ist mir sehr wichtig, mit den gleichen Zielen, nämlich daß suchtkranke Menschen nicht nur trocken, sondern auch frei durch den Glauben an den Erlöser Jesus Christus werden, der ja nur allein Schuld vergeben kann.

Red: Hat denn der Verein nie an eigene Räume gedacht, der Verein soll ja in den 50 -iger Jahren fast 100 Mitglieder gehabt haben?

HS: Damals gab es sehr viele, die zwar keine Probleme mit Alkohol hatten, sich jedoch mit den Betroffenen solidarisch erklärten, und um ihretwillen abstinent leben wollten. In diesen Jahren wurde schon sehr intensiv darüber nachgedacht, einmal ein eigenes Gebäude zu erwerben.

Red: Hier in Ihrhove?

HS: Ja!  Als die Blaukreuzstunden in den Häusern so stark besucht waren, daß jede Sitzgelegenheit genutzt werden mußte, damit alle Platz bekamen, hat der Verein einen Bausparvertrag in Höhe von  3000 DM abgeschlossen. Mit dem Geld wollte man an der Wagnerstrasse ein Sumpfgelände von der Bahn für 50 Pfg.  pro qm erwerben, um darauf zu bauen

Red: Warum ist das nicht geworden?

HS: An den Baupreisen hat es nicht gelegen. Es war die Verwaltung der Bundesbahn, die letztlich der Veräußerung von Bundeseigentum  nicht zustimmen wollte. Mit Hilfe des damaligen Mitglied Simon Wever hatte der Landkreis Leer eine Unterstützung zugesagt.

Red: Soviel ich weiß, wurde der Gedanke nie aufgegeben, ein eigenes Haus zu bekommen.

HS: Nein- es wurde weiter gespart und gesammelt. Ein Mark, Fünf Mark- Fünfzig Pfennig, Zehn Mark für die Reichsgottesarbeit.

Red: ....so'n paar Kröten, das war ja auch nicht viel!

HS: Doch, damals schon. Da war eine Mark noch  'ne Menge Geld! Und es gab nicht viel davon. Unter viel Verzicht wurde gespendet. Das waren damals keine Kollekten, das waren echte Opfer!

"Opfer," so mein Vater damals, " müssen weh tun, sonst sind es keine!"

Red: Soviel ich weiß, ist ja kein Haus erworben worden. Was passierte mit dem Geld?

HS: ..das fraß die Inflation. Was Ende  der 50 er Jahre noch 10 TDM kostete, war einige Jahre danach nur noch für 100 TDM  zu erwerben und heute kostet so etwas  250 TDM

Red: Später wurde, soviel ich gehört habe, das Geld  als zinsloses Darlehen  zur Bundeszentrale nach Wuppertal-Barmen überwiesen.

HS:  Ja , und da ist es auch geblieben nach der Verselbständigung unseres Vereines im Jahre 1997.

Red:  Hat dein Vater den Gedanken denn dann aufgegeben, ein eigenes Haus zu erwerben?

HS: Nie! Einige Jahre später mußte der damalige geschäftsführende Direktor aus Wuppertal kommen, weil mein Vater sich gedacht hatte, den Schuppen von Egberts am Lüdeweg zu erwerben. Das wollten jedoch die verantwortlichen in Wuppertal nicht.

Red: und dann.?

HS: Dann wurde eine Holzbaracke zusammen mit einem Bauunternehmer , der auch im Vorstand war,  gekauft. Man fand jedoch nicht das Gelände, wo es aufgebaut werden durfte, und so rottete des schöne Vereinshaus still, aber stetig vor sich hin und nur die Würmer haben sich darin wohlgefühlt.

Red: 1978 kamen zu den Blaukreuz-Bibelstunden dann noch die Gruppenstunden hinzu. Wo fanden diese denn damals statt?

HS: ..im Hause meiner Eltern in der Denkmalstraße 27.

im Wohnzimmer. Da kamen Betroffene, die einen neuen Anfang ohne Suchtmittel machen wollten. Sie kamen meist aus der weiteren Umgebung nach Ihrhove, aus Stapelmoor und Moormerland und Rhauderfehn. Schon wegen der Anonymität. Im Winter waren meist mehr Leute da, als im Sommer. man hatte Angst vor dem 'gesehen werden'. 

Red: Irgendwann entstanden dann aus dieser Gruppe neue Gruppen in -Klostermoor und Stapelmoor und später in Papenburg. und Collinghorst Bleibt nach einer guten Teilung die Gruppe in Ihrhove dann noch lebensfähig?

HS: Ich denke, es ist gesund, wenn neue Gruppen entstehen. Man muß nur dann danach fragen, ob unser Auftraggeber und Herr dafür grünes Licht gibt.

Red: Dann waren die Gruppenstunden bei euch zu Hause. War das nicht zu privat und persönlich?

HS: Das ist richtig. Schön ist die häusliche Atmosphäre zum wohl fühlen, jedoch die Schwelle ist für Betroffene sehr hoch und die Arbeit hängst zu sehr vom Gastgeber ab, wird zu sehr privatisiert. .

Red: Als dann die Gruppe so stark wurde, daß in eurem Wohnzimmer kein Platz mehr vorhanden war, sind wir in das EC- Heim umgezogen.

HS: Im EC Heim waren Räume, die wir mitbenutzen dürfen,

um einzelne Gruppen zu bilden, denn nur ein einem kleinen Kreis findet man das Klima vor, sich mit seinen Problemen zu öffnen.

Red: Hätte denn das nicht gereicht, wenn man weiter dort als Gast geblieben wäre? Warum ein eigenes Haus?

HS: Wir haben vor Jahren höchstens einmal davon geträumt, die Arbeit am suchtkranken Menschen im eigenen Domizil auszuüben. Es ist mehreren Umständen, nein es ist Gott zu verdanken, daß wir das Haus hier nun haben. Durch die Selbständigkeit unseres Vereins im Jahre 1997 wurde auch die Gemeinschaft in der Gruppe intensiver.

Red: Was es denn nun nur ein Gedanke, der umgesetzt werden mußte oder was steckte hinter der Sache?

HS: Nein, wir und auch ich ganz persönlich durfte erfahren, daß wenn einem bestimmte Türen zugemacht werden, daß unser lebendige Herr dann auch neue Türen auftun kann. Das war einerseits eine schlimme Zeit, aber doch eine gesegnete.

Red: Wie kam es denn zu der Anschaffung dieses ehemaligen Polizeigebäudes?

HS: Eine lange Geschichte kurz erzählt:

Das Haus in der Kirchstraße stand vor Jahren zum Verkauf. Eine Anfrage ergab: Vorrang haben die Asylbewerber.

Damit war die Sache vergessen. Viel später kam die Information: Das Haus steht zum Verkauf. Viel zu teuer um das zu bezahlen.

Red: Warten muß man können - oder?

HS: Das ist manchmal nicht so leicht. Doch dann kam die Nachricht über Umwegen bei uns an: TDM 125,0 für den Schuppen. Chance oder Risiko?

Wir haben es als Chance gesehen. Wenn Gott Türen öffnet...

Red: Dafür brauchten wir aber auch viel Geld um das Haus  zu erwerben und dann zu renovieren.

HS: "Bauen ist eine Lust, dat dat Geld kost, dat hebb nich wüßt" Wir haben öffentliche Gelder in Höhe von TDM 60,0 erhalten und ein Darlehen aufgenommen, das durch Mieteinnahmen und von regelmäßigen Spenden eines Förderkreises zurückgezahlt wird. Wir haben öffentliche Gelder in Höhe von TDM 60,0 erhalten  Dazu gab es viele Spender, die es als wichtig ansahen, daß es die Arbeit am suchtkranken Menschen gibt und gerne bereit waren uns zu unterstützen.

Red: Seit dem Jahre 2000 seid Ihr nun in diesem Haus der Begegnung?

HS: Bis heute erreichen wir viele Betroffene  mit angehörigen, die ein neues, suchtmitttelfreies Leben führen.

Red: Es gibt doch auch immer wieder Rückfälle oder?

HS:  Ja, leider wohl. Die bundesdeutsche Statistik zeigt, daß nicht einmal 50% aller

therapierten Personen auf Dauer 'trocken' bleiben. Es könnte damit zusammenhängen, daß bei uns viele Menschen dauerhaft suchtmittelfrei leben können, weil wir ihnen den Glauben an Gott vermitteln können.

Red: Wollen die Leute das denn?

HS: Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Es ist oft die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Es ist der Jank nach mehr, mehr, und mehr. Oft vermittelt der Glaube

das Gefühl, satt geworden zu sein, indem man diese Beziehung zu Gott neu erfährt.

Red: Am 4. Mai solle die Jubiläumsfeier sein?

HS:  Ja, wir haben allen Grund zum Danken! Diesen Dank wollen wir in gebührender Weise Gott bringen durch unser Lob.

Red: Vielen Dank!

weiter....

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