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Freunde von Johannes Schaa:

Juden in Bunde

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Wie überall im Deutschen Reich brach auch für die Bunder Juden mit dem Jahre1933 
eine furchtbare Leidenszeit an. Manche wanderten aus,
andere konnten nichtglauben, was ihnen bevorstand. Viele Juden sind deportiert worden,
ihre Spuren ver-lieren sich in den Konzentrationslagern der Nazis, wo sie auf schreckliche
Weise ihrLeben verloren. Nur wenige haben sich vor dem Zugriff der Schergen retten
könnenund leben heute in verschiedenen Staaten dieser Erde.
Keiner kehrte nach Bunde zu-rück.
Geradezu hellseherisch ist es, was der Textilkaufmann Abraham Ries am 30. April1933 
zu Papier brachte. Diese erschütternden Gedichte sind ein Zeitdokument,
das inseiner Bedeutung weit über Bunde hinausweist:
Mutter Deutschland, willst Du uns ver-stoßen? ruft Ries aus.
Mutter Deutschland, willst Du uns verstoßen?
Sag, was haben wir getan?
Treffen wollte man die Großen,
Doch uns Kleinen bringt man aus der Bahn.
Körperlich sind wir noch ungebrochen,
Doch an unserer Seele naget bittres Leid;
Dennoch halten wir, was wir versprochen:
Treu und Liebe Dir zu jeder Zeit.
Nichts kann uns von Deutschland trennen,
Und in echter Treue stehen wir zu Dir.
Wahre Liebe kann doch nur aus heißem Herzen brennen,
Blut und Glaube nimmer sind entscheidend hier.
Mutter Deutschland, liebe uns nicht minder!
Grad ein Schmerzenskind verstößt man nie.
Alle Menschen sind doch eines Vaters Kinder,
Und in seinem Ebenbilde schuf er sie.
Bunde, den 30. 4. 33                            A. Ries
Mir ist's ums Herz so bang und schwer,
Ich habe keine Heimat mehr!
Zum Deutschtum soll ich nimmer mich bekennen,
Ich darf mich nicht mehr Deutscher nennen.
Und dennoch lieb ich dieses Land,
In dem schon meine Wiege stand.
Hier rief der Herrgott mich ins Sein,
Hier ruhet der Eltern totes Gebein.
Und ob man ächtet und meidet mich,
Deutsch denke ich und fühle ich.
Wer will mir mein Empfinden rauben?
Ich muß an Deutschlands Zukunft glauben.
Deutschland wird herrlich auferstehn,
Dies Land wird niemals untergehn.
Und steh ich auch weit und breit allein,
Ich kann doch Jude und Deutscher sein.
Bunde, den 30. 4. 33                            A. Ries
 
 
 

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